Beispielhaft soll hier die Eltern-AG vorgestellt werden, ein Projekt, für das sich die A.P.I. Stiftung besonders intensiv engagiert - ein Präventionsprogramm zur Steigerung der elterlichen Erziehungskompetenz im Bereich früher Erziehung und Bildung:
PISA- und IGLU-Studie haben aufgezeigt, wie erheblich der Einfluss der sozialen Herkunft der Kinder auf ihren späteren Schul- und Ausbildungserfolg ist. Überdurchschnittlich viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien verlassen die Schule ohne qualifiziertes Zeugnis oder scheitern anschließend in der beruflichen Ausbildung.
Das praxisorientierte Präventionsprogramm Eltern-AG ist eine neuartige Mischung aus Elternschule und Selbsthilfe. Es richtet sich an Paare in der Familienplanungsphase und Eltern von Kindern im Vorschulalter, um schon in der frühen Phase der Entwicklung langfristiger Benachteiligungen vorzubeugen. Ziel ist insbesondere die Verbesserung der elterlichen Erziehungskompetenz.
Das Präventionsprogramm umfasst 20 Sitzungen. Auf belehrende „Experten“ wird verzichtet, vielmehr werden die AGs von Mentoren als Begleiter auf gleicher Augenhöhe gehalten. Ziel der Elternschule ist es, eine Verselbständigung der Elterntreffen mit einer Art Selbsthilfegruppencharakter zu erreichen. Die Eltern-AG hat damit das Potenzial, sich als Keimzelle selbst organisierter und selbstbewusster Elterngruppen flächendeckend auszubreiten.
Um Eltern aus der angepeilten sozial schwachen Zielgruppe zu erreichen, wird ein niedrigschwelliger Ansatz verfolgt. Zunächst werden Gespräche mit Multiplikatoren vor Ort geführt, z.B. mit dem Personal der örtlichen Kita oder mit Kinderärzten, Streetworker etc. In einem zweiten Schritt werden die Eltern dann angesprochen, beispielsweise während der Veranstaltung eines Kinderkleiderbazars, über einen Spielplatzclown oder auch über persönliche Ansprache und aufsuchende Werbung.
Die Eltern-AG ist trotz einfach konzeptionierter Postulate explizit wissenschaftlich ausgerichtet. Der Ansatz integriert im Besonderen die aktuellen Erkenntnisse der Neurowissenschaften, der Entwicklungspsychologie und der Pädagogik im Bezug auf die Bedeutung der frühen Kindheit.
Seit drei Jahren ist die Eltern-AG in Sachsen-Anhalt aktiv und hat bislang in fast 40 Gruppen rund 300 Eltern erreicht. Das Programm hat seitdem großen Zuspruch gefunden. So hat eine Evaluation des Projektes ergeben, dass beispielsweise 68 % der teilnehmenden Eltern der Meinung sind, dass ihnen die Gespräche, die sie in der Eltern-AG geführt haben im Alltag oft bzw. sehr oft geholfen haben und ca. 80 % der Befragten hatten das Gefühl, dass sie die Erfahrungen, die sie gemacht haben, auch in Zukunft oft bzw. sehr oft nutzen werden. 69 % der Teilnehmer gaben an, dass sie sich auch in Zukunft mit anderen Eltern treffen werden.
Mit Unterstützung der A.P.I. Stiftung konnte die Eltern-AG ihr Konzept in den letzten Jahren optimieren und ein Franchising-System auf den Weg bringen. Der Erfolg dieser Arbeit zeigt sich auch darin, dass der Projektleiter der Eltern-AG in diesem Jahr als Ashoka-Fellow (www.germany.ashoka.org/) ausgezeichnet wurde. Die A.P.I. Stiftung hat die Eltern-AG finanziell unterstützt und insbesondere wertvolle Kontakte und Dienstleistungen aus ihrem Netzwerk akquiriert, zum Beispiel eine pro bono Franchisingberatung.
www.eltern-ag.de